MW Global Investments CVBA: Anleger müssen um ihr Kapital fürchten

Vorsicht bei Kapitalanlagen, bei denen exorbitant hohe Renditen versprochen werden!(Copyright: Андрей Яланский/adobe.stock)

In der Vergangenheit haben zahlreiche Anleger Genossenschaftsanteile an der MW Global Investments CVBA, einer Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Belgien, erworben. Angaben auf der Homepage der MW Finance Group zufolge soll in den vergangenen 10 Jahren für das investierte Kapital eine Wertsteigerung von 200 % erzielt worden sein. Vermittelt wurden die Anteile über die MW Vermögens- und Finanzberatung GmbH mit Sitz in Bonn, die eine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler nach § 34f Abs. 1 S. 1 GewO besitzt und nach eigenen Angaben 25.000 Kunden haben soll. Die MW Vermögens- und Finanzberatung GmbH ist eine Tochtergesellschaft der MW Finance AG, die ihren Sitz ebenfalls in Bonn hat.

Existiert die MW Global Investments CVBA überhaupt?

Presseberichten zufolge ist die Genossenschaft im belgischen Unternehmensregister „Banque-Carrefour des Entreprises“ nicht zu finden und Anlegern werden nach erklärter Kündigung die angelegten Gelder nicht oder nur sehr zögerlich in Teilbeträgen ausgezahlt (siehe z.B. General-Anzeiger vom 17.03.2021 und 08.06.2021). Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt bereits auf-grund des Verdachts des Betruges (StA Bonn 400 Js 396/19).

Probleme bei der Rückforderung von Geldern

Auch Mandanten von MEYER-KÖRING haben in diese Anlageform investiert und nun Probleme mit der Rückzahlung ihrer Investments. Es erfolgt keine Reaktion auf erklärte Kündigungen und weitere Aufforderungsschreiben. Schreiben an die belgische Adresse der Genossenschaft kommen als unzustellbar zurück.

Hellhörig macht auch, dass die Anteile an der Genossenschaft erst vor kurzem gesplittet und die Anzahl der Anteile begrenzt wurde, die gleichzeitig gekündigt werden können. Ob dem überhaupt ein wirksamer Beschluss zur Änderung des Gesellschaftsvertrages zugrunde liegt, muss noch geprüft werden. Jedenfalls soll Anlegern dadurch anscheinend erschwert werden, ihre Beteiligung zurückzuverlangen. „Die Tatsache, dass die Genossenschaft im belgischen Unternehmensregister nicht registriert sein soll, die zögerliche Auszahlung von Teilbeträgen an einzelne Anleger unter dem Druck von Presseberichten, die Beschränkung der Kündigungsmöglichkeiten und die Tatsache, dass Rückzahlungen durch andere Gesellschaften der MW Finance Group erfolgen, lässt Befürchtungen, dass es sich um ein Schneeballsystem handeln könnte, nicht fernliegend erscheinen“, erklärt Alexander Knauss, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht.

Handlungsmöglichkeiten betroffener Anleger

Neben der Kündigung der Beteiligung und Rückforderung des Beteiligungskapitals kommen auch Schadenersatzansprüche gegen die Anlageberater bzw. –Vermittler wegen nicht anlegergerechter Beratung und nicht anlagegerechter Aufklärung über die Risiken der Beteiligung in Betracht. „Sollte sich herausstellen, dass der Verdacht des Betruges begründet ist, könnten auch Schadenersatzansprüche gegen die Verantwortlichen der MW Finance AG bestehen. Inwieweit diese Ansprüche dann werthaltig sind, bleibt abzuwarten.“, so Christina Heuser, die bei MEYER-KÖRING im Dezernat Bank- und Kapitalmarktrecht als Rechtsanwältin tätig ist

Steuerliche Ermittlungen laufen auch schon

Als wenn die Sorge um den Verlust der angelegten Gelder noch nicht Ärger genug wäre, haben mittlerweile diverse Anleger auch ein Schreiben der Finanzverwaltung erhalten, aus dem sich ergibt, dass gegen eine der verantwortlichen Personen des Firmengeflechts

• MW Vermögens- und Finanzberatung GmbH,
• MW ganzheitliche Finanzberatung GmbH,

und/oder der ehemaligen (!) Firmen

• Fincap Investment CVBA,
• Fincom Investment CVBA,
• MW Global Investments CVBA,

steuerstrafrechtlich ermittelt wird. Die Finanzverwaltung geht dabei offenbar davon aus, dass die MW Global Investments CVBA nicht (mehr) existiert.

Betroffenen empfehlen wir dringend, vor Beantwortung des Schreibens der Finanzverwaltung Rücksprache mit einem auf Steuerrecht spezialisierten Rechtsanwalt bzw. Fachanwalt für Steuerrecht zu halten. Zwar besteht bei Auslandssachverhalten wie der Beteiligung an einer belgischen Genossenschaft eine erweiterte Mitwirkungspflicht des Steuerpflichtigen gegenüber dem Finanzamt. „Allerdings verspielen Anleger mit unbedachter Beantwortung dieses Schreibens die ansonsten ggf. noch bestehende Möglichkeit einer strafbefreienden Selbstanzeige.“ warnt Andreas Jahn, Rechtsanwalt und Steuerberater im Bonner Büro von MEYER-KÖRING. Deshalb sollte vor Abgabe irgendwelcher Erklärungen gegenüber der Finanzverwaltung sorgfältig geprüft werden, ob die Erträge aus der Beteiligung in der Vergangenheit ordnungsgemäß versteuert wurden oder eine Selbstanzeige erforderlich ist.

Fazit

Vorsicht bei Kapitalanlagen, bei denen exorbitant hohe Renditen versprochen werden! Anleger sind gut beraten, vor der Investition größerer Summen in nicht börsennotierte Kapitalanlagen anwaltlichen Rat einzuholen und sich über die Risiken solcher Anlagen ausführlich zu informieren. Die damit verbundenen Kosten sind gut angelegt im Vergleich zu dem sonst ggf. drohenden Verlust des Kapitals. Und wer Beratungshonorare oder Ausgabeaufschläge auf Finanzprodukte schon für deren bloße Vermittlung zahlt, dem sollte eine gründliche Prüfung und Risikoaufklärung auch etwas wert sein.

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