Fußball-WM und Arbeitsrecht

Spielregeln für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Ob beim Public Viewing, live im Stadion oder vor dem heimischen Fernseher: Fußballdeutschland wird das Projekt Titelverteidigung mit gewohnt großer Leidenschaft verfolgen. Rund um den offiziellen Start der WM, aber auch während der Spiele kommt es am Arbeitsplatz leicht zu Konflikten. Um sich voll auf die Spiele konzentrieren zu können, haben vorausschauende Arbeitnehmer schon frühzeitig Urlaub geplant und diesen mit dem Arbeitgeber abgestimmt. Das Bundesurlaubsgesetz sieht für das Sportereignis allerdings keinen unbezahlten Urlaub (Sonderurlaub) vor.

Während der Fußball-WM können Spielbegeisterung und Arbeitspflicht schon mal kollidieren. Wir haben die wichtigsten Spielregeln für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammengefasst. 

Spezielle Urlaubswünsche zu einzelnen Spielen

Probleme können sich dann ergeben, wenn Arbeitnehmer kurzfristig die Möglichkeit erhalten, ein Spiel im Stadion zu erleben, beispielswiese wenn sie Karten gewinnen. Grundsätzlich muss der Arbeitgeber den beantragten Urlaub erteilen. Es gibt aber auch Gründe, den Antrag aus dringenden betrieblichen Belangen abzulehnen, beispielsweise dann, wenn dem Arbeitgeber durch die Arbeitsbefreiung ein Schaden entsteht, aktuell ein hoher Krankenstand herrscht oder es durch Kündigung anderer Mitarbeiter bereits zu Engpässen gekommen ist. Auch zusätzliche Aufträge, eine besonders arbeitsintensive Zeit oder Saisongeschäft rechtfertigen einen negativen Bescheid.

Angekündigte Arbeitsunfähigkeit ist ein fristloser Kündigungsgrund

Droht ein Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeit für den Fall an, dass ihm kein kurzfristiger Urlaub zum Besuch der Fußball-WM gewährt wird, handelt es sich um einen fristlosen Kündigungsgrund.

Überstunden während der Spiele?

Der Arbeitgeber ist nicht bereits im Rahmen seines Direktionsrechts berechtigt, Arbeitnehmer zu Überstunden heranzuziehen. Das Recht zur Anordnung von Überstunden kann aber selbstverständlich arbeitsvertraglich vereinbart werden oder sich aus kollektiven Regelungen ergeben (Betriebsvereinbarung, Tarifvertrag). Fehlt es an einer entsprechenden arbeitsvertraglichen Grundlage, kann ein Arbeitnehmer regelmäßig die Leistung von Überstunden verweigern.

Fußballbegeisterung der Arbeitnehmer schränkt Arbeitgeber nicht ein

Das Direktionsrecht des Arbeitgebers umfasst auch die Befugnis, die Lage der Arbeitszeit einseitig festzulegen. Soweit deshalb nicht arbeitsvertraglich ganz bestimmte feste Arbeitszeiten vereinbart wurden, kann der Arbeitgeber im Rahmen des Direktionsrechts beispielsweise bestimmte Wechselschichten anordnen. Fußballbegeisterung auf Seiten des Mitarbeiters muss von dem Arbeitgeber jedoch nicht bei der Ausübung des Weisungsrechts beachtet werden.

Schichtwechsel während der WM

Besteht im Betrieb Schichtarbeit und verlangt der Mitarbeiter von dem Arbeitgeber, in eine andere Schicht umgesetzt zu werden, um die Fußballspiele ansehen zu können, muss der Arbeitgeber dieser Forderung nicht nachkommen.

Fußball im Radio während der Arbeitszeit

Mitarbeiter, die während der Arbeitszeit eine Live-Reportage zu einem Turnierspiel hören, erfüllen regelmäßig dennoch ihre Arbeitspflicht. Radio hören ist also erlaubt. Wird hingegen die Arbeitsatmosphäre durch das Radiohören gestört, fühlen sich die Kollegen durch das Radiohören beeinträchtigt oder werden sogar Kunden des Arbeitgebers mit der Live-Reportage konfrontiert, kann das Radiohören untersagt werden.

Fernsehen am Arbeitsplatz

Ein Anspruch auf Fernsehen während der Arbeitszeit besteht demgegenüber grundsätzlich nicht. Der Arbeitnehmer verfolgt mit den Augen das Spiel auf dem Bildschirm und ist dadurch gehindert, sich seiner übertragenen Arbeit zu widmen und seine Arbeitspflicht zu erfüllen. Das Recht auf Fernsehen am Arbeitsplatz ist daher grundsätzlich abzulehnen.

Live-Ticker Internet

Auch hier gilt: Mitarbeiter, die während der Arbeitszeit anderen Tätigkeiten nachgehen, verletzten ihre Arbeitspflicht. Dabei kann bei der Nutzung eines Live-Tickers allgemein auf die zur unerlaubten privaten Nutzung des Internets während der Arbeitszeit entwickelten Grundsätze zurückgegriffen werden (ausführlich dazu Besgen/Prinz (Hg.), Arbeiten 4.0 – Arbeitsrecht und Datenschutz in der digitalisierten Arbeitswelt, 4. Auflage 2018).

Selbst wenn der Arbeitgeber private Internet¬nutzung erlaubt hat, umfasst diese Erlaubnis jedoch nicht eine ausschweifende Internetnutzung während der Arbeitszeit. Davon wird man aber ausgehen können, wenn der Arbeitnehmer ein komplettes Fußballspiel während der Arbeitszeit am Live-Ticker verfolgt. In diesen Fällen ist der Arbeitgeber berechtigt, den Mitarbeiter jedenfalls abzumahnen und in krassen Fällen (z.B. mehrere Spiele hintereinander) sogar ohne vorherige Abmahnung fristlos zu kündigen.

Betriebliches Alkoholverbot

Im Allgemeinen besteht kein absolutes Alkoholverbot. Es ist aber jeder Arbeitnehmer dazu verpflichtet, seine Leistungsfähigkeit und Sicherheit am Arbeitsplatz nicht durch Alkoholgenuss zu beeinträchtigen. Der Arbeitgeber ist berechtigt, im Wege des Direktionsrechts ein konkretes Alkoholverbot auszusprechen, bspw. wenn nach einem Spielerfolg der deutschen Mannschaft während der Arbeitszeit ausgelassen im Betrieb gefeiert wird.

Alkoholkontrollen durch den Arbeitgeber

Grundsätzlich gilt: Gegen den Willen des Arbeitnehmers darf der Arbeitgeber einseitig keine Alkoholkontrollen anordnen oder durchführen. Voraussetzung eines jeden betrieblichen Alkoholtests ist daher die Einwilligung des betroffenen Arbeitnehmers in die konkrete Kontrolle.

Umgang mit alkoholisierten Arbeitnehmern

Stellt der Arbeitgeber Anzeichen für alkoholbedingte Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit fest, kann und sollte die weitere Arbeitsleistung unterbunden und der Arbeitnehmer aus dem Betrieb verwiesen werden. Dies gebietet auch die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Für diesen Arbeitsausfall hat der Arbeitnehmer dann keinen Vergütungsanspruch. Aber: Die Darlegungs- und Beweislast liegt beim Arbeitgeber. Es empfiehlt sich daher, die Symptome zu dokumentieren und die Beweislage zu sichern.

Verlassen des Arbeitsplatzes

Verlassen Arbeitnehmer den Arbeitsplatz, um Fußballspiele anzusehen, handelt es sich um einen klaren Fall von Arbeitsverweigerung. Dieser muss zunächst abgemahnt werden. Im Wiederholungsfall kann die fristlose Kündigung ausgesprochen werden.

Fazit

So nachvollziehbar die Begeisterung rund um die Fußball-WM auch ist, befreit sie die Arbeitnehmer nicht von ihrer Pflicht. Es gelten keine Ausnahmen von den allgemeinen arbeitsrechtlichen Grundsätzen. Dass es sich um ein herausragendes Ereignis handelt, ändert daran nichts. Dies gilt vor allem für das spontane Freizeitbekunden einzelner Arbeitnehmer, dem der Arbeitgeber grundsätzlich nicht nachkommen muss. Verstößt der Arbeitnehmer dennoch gegen seine Pflichten, muss er mit der gelben Karte des Arbeitsrechts, der Abmahnung, rechnen. In krassen Fällen droht mit einer fristlosen Kündigung sogar die rote Karte.

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