„Die Kontrolle von Prozessen erzeugt Mehrwert“

Bonner Unternehmertage 2018 beschäftigten sich mit der Frage, wie sehr die Digitalisierung Konsum, Handel und Arbeitswelt verändert

Bonn, 15. November 2018 – Der digitale Wandel und die damit verbundenen Herausforderungen für Unternehmer waren das Leitmotiv der 13. Bonner Unternehmertage. Rund 350 Teilnehmer waren am 12. und 13. November in der Redoute in Bad–Godesberg zusammengekommen, um sich in hochkarätigen Vorträgen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zu informieren und miteinander auszutauschen.

Werden uns die Roboter überrumpeln?

Dr. Nikos Askitas, Mathematiker und Direktor Daten und Technologie am Institut zur Zukunft der Arbeit resümierte: „Roboter werden uns nicht vom Arbeiten befreien. Mit ein wenig Glück werden wir aber mehr Jobs haben und gleichzeitig weniger arbeiten müssen.“ Nach kurzem kollektiven Aufatmen zog Dr. Andreas Olmes, Physiker und Partner beim Hightech Gründerfonds, konträre Schlüsse: „Die menschliche Arbeit wird (fast) keinen Wert mehr haben. Ich glaube, dass nur sehr wenige superqualifizierte oder sehr auf Mitmenschen bezogene Stellen überleben werden.“ Einig sind sich beide Experten darin, dass sich mit den neuen Technologien gigantische Chancen für unsere sozioökonomischen Systeme ergeben, wenn wir alle sie behutsam modernisieren und im demokratischen Sinne mitgestalten.

GA-Bonn-Redakteurin Ulla Thiede diskutierte mit Siebo Woydt, Vorstand Creditreform, und Ulrich Kelber, Digitalexperte der SPD-Bundestagsfraktion, über die Vor- und Nachteile der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). 

DSGVO – Schutzschild oder Wachstumsbremse?

Ein gesetzliches Regelwerk, um auf europäischer Ebene zumindest über persönliche Daten die Kontrolle zu wahren, wurde im vergangenen Jahr mit der DSGVO geschaffen. Ob die Verordnung nicht eher die hiesige Wirtschaft ausbremst – darüber diskutierte am zweiten Veranstaltungstag der Bonner Bundestagsabgeordnete und künftige Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) mit dem Vorstand der Creditreform Siebo Woydt. Die DSGVO gilt europaweit für alle Branchen. Darum sei sie ein wichtiges Instrument für die Datenbehörden, die nun andere Länder in die Pflicht nehmen könnten, die wie beispielsweise Irland mit Datenschutz vergleichsweise locker umgehen und wo große Digitalkonzerne wie Facebook, Google oder Twitter ihren Sitz haben, so Ulrich Kelber. Unternehmer Siebo Woydt hingegen beklagt die unklaren Formulierungen des Regelwerks und befürchtet gerade im Bereich Onlinehandel erheblich Wettbewerbs-Nachteile gegenüber amerikanischen Bezahl-Dienstleistern.

Der verschärfte Datenschutz hat in vielerlei Hinsicht Auswirkungen auf Unternehmer. Ebba Herfs-Röttgen und Dr. Steffen Wiederhold, beide Fachanwälte bei MEYER-KÖRING, zeichneten anhand konkreter Beispiele aus dem Bewerber-Management nach, auf welche Punkte Arbeitgeber künftig besonders achten sollten. Und obwohl die große Abmahnwelle bisher ausgeblieben ist: „Unternehmen – von der Arztpraxis bis zur Unternehmensgruppe – nehmen die Implementierung der Vorgaben weiter ernst und beugen Gefahren einer Abmahnung sowie künftigen Beanstandungen durch Aufsichtsbehörden vor“, so Dr. Steffen Wiederhold zum Status quo.

Käufer sind nicht länger Konsumenten, sondern User

Big data verschärft vor allem die Situation des stationären Handels. Hier sei ein komplettes Umdenken erforderlich. Nur so könne man sich gegen die Konkurrenz von Digitalkonzernen behaupten, ist Martin Groß-Albenhausen vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e.V. überzeugt. Der Experte referierte bei den Unternehmertagen über den Omnichannel-Irrtum und rät Händlern, bei ihren Shop-Konzepten deutlich flexibler zu werden. „Im Fokus einer neuen Wertschöpfung stehen Daten statt Dinge. Das Produkt selbst gerät zunehmend in den Hintergrund. Und Käufer sind nicht länger Konsumenten, sondern User“, so Groß-Albenhausen. Wesentlicher Punkt sei, dass nicht länger der Besitz von Gütern und Maschinen im Zent-rum der Aufmerksamkeit stehen müsse, sondern vielmehr die Kontrolle von Prozessen.

Neben wirtschaftlichen Herausforderungen standen bei den Bonner Unternehmertagen auch politische Themen auf der Agenda: Cyber-Security-Experte Volker Kozok präsentierte aktuelle, beklemmende Beispiele für Bot-basierte Meinungsbildung. Ihm zufolge setzen Maschinen alleine bei Twitter schon mehr als 20 Prozent aller Tweets ab. Gut zu wissen, dass man schon zu Lebzeiten den Verbleib der digitalen Daten bei Facebook, Twitter und Co. regeln kann – denn sie zählen zum digitalen Erbe ebenso wie Bitcoins oder die digitale Musiksammlung, wie der Bundesgerichtshof im Sommer entscheiden hat. Die Konsequenzen dieser wegweisenden Entscheidung präsentierte am ersten BUT-Tag Dr. Gordian Felix Oertel, Fachanwalt für Erbrecht bei MEYER-KÖRING.

Dr. Norbert Röttgen lieferte bei den Bonner Unternehmertagen 2018 eine scharfsinnige weltpolitische Standortanalyse. 

Außenpolitische Analyse von Norbert Röttgen begeistert Publikum

Besonderes Highlight der Bonner Unternehmertage 2018 war eine Rede von Dr. Norbert Röttgen (MdB), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags. Der CDU-Politiker unternahm eine scharfsinnige, 60-minütige Analyse zum Thema „Die neue Weltunordnung: Gefahren für die Wirtschaft – Möglichkeiten der deutschen Außenpolitik“ und begeisterte die Teilnehmer abschließend mit seinem Appell für ein starkes, selbstbewusstes Europa. „Wir haben heute die Chance, die Zukunft Europas aktiv zu gestalten“, so Röttgen.

Die Bonner Unternehmertage fanden 2018 zum 13. Mal in Folge statt. Das zweitägige Event ist ein kostenloses Angebot für Unternehmer, Freiberufler und Vertreter öffentlicher Institutionen aus der Region und beschäftigt sich regelmäßig mit aktuellen Herausforderungen und Trends aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Veranstalter der Unternehmertage sind MEYER-KÖRING Rechtsanwälte│Steuerberater, die IHK Bonn Rhein/Sieg sowie die Volksbank Köln Bonn eG. Die nächsten Bonner Unternehmertage finden im Oktober 2019 statt. Weitere Informationen auf www.bonner-unternehmertage.de.

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